Schulterschmerzen sind ein häufiges Problem insbesondere der 40-60 Jährigen. Typisch sind am Anfang nur milde Beschwerden die jedoch in manchen Fällen zu enorm akuten Schmerzen eskalieren können. Meist werden die Beschwerden durch bestimmte Belastungen, wie Überkopfarbeiten oder Wurfbewegungen provoziert. Einige Patienten quält auch eine Störung der Nachtruhe, insbesondere durch Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Schulter.

 

Hierfür gibt es viele mögliche Ursachen, so dass eine gute Anamnese (Erhebung der Krankheitsgeschichte), eine explizite körperliche Untersuchung, eine Ultraschalluntersuchung und eine Röntgendarstellung der Schulter im Vorfeld erfolgen sollte. In bestimmten Fällen kann auch die Durchführung einer Magnetresonanztomografie (MRT) hilfreich sein.

Anhand der vorliegenden Befunde werden wir mit Ihnen die gestellten Diagnosen besprechen und eine entsprechende Therapie vorschlagen. Bestimmte Befunde können eine arthroskopische minimalinvasive Operation der Schulter notwendig machen. Manche Schulterbeschwerden können auch ohne einen Eingriff, z.B. mit guten gymnastischen Übungen behandelt werden. Beim Vorliegen von Kalkherden in den Strukturen der Schulter können diese mittels Stoßwellentherapie oder dem so genannten „Kalkneedeling“ behandelt werden.

Die Ursache für die Entstehung von Kalkdepots in Sehnen ist wissenschaftlich nicht letztlich geklärt. Grundsätzlich kann eine Kalkablagerung in vielen Sehnen des Körpers entstehen. Die Sehnen der Schulter sind hiervon jedoch mit Abstand am häufigsten betroffen. Eine Theorie sieht die Verkalkungen als Folge einer fehlerhaften Ausheilungen von Verletzungen der Sehne an. Andere sehen Veränderungen des Stoffwechsels der Sehne durch dauerhafte Balancestörungen in der Haltung als ursächlich an. Grundsätzlich kann sich der Kalk in der Sehne auch durch körpereigene Mechanismen wieder auflösen. In vielen Fällen besteht der Kalk und die Beschwerden jedoch über Jahre.

Kleinere Kalkdepots in der Sehne können mit der extrakorporalen Stoßwellentherapie behandelt werden. Bei größeren Kalkdepots, oder auch bei hartnäckigen Verläufen bevorzugen wir die Mikroinvasive ultraschallgesteuerte Therapie der Kalkschulter, das „Kalkneedeling“.

Das „Kalkneedeling“ bezeichnet eine eigentlich alte Technik. Man sucht hierbei unter Röntgendarstellung das Kalkdepot auf und kann es mit einer Nadel zerstoßen. Der so zerkleinerte Kalk soll dann, ähnlich wie nach der Stoßwellentherapie, vom körpereigenen Immunsystem wieder abtransportiert werden. Aufgrund der Unhandlichkeit und der Strahlenbelastung, konnte sich diese Technik jedoch nie im großen Stil durchsetzen. Hauptnachteil des Vorgehens unter Röntgen ist jedoch, dass die Nadel und der Kalk im Röntgen nur als planes Summationsbild dargestellt werden kann und hierbei die sichere Orientierung erschwert ist.

Durch den Einsatz moderner und hochauflösender Ultraschallgeräte, kann die Technik des Needelings nun wesentlich sicherer und handlicher durchgeführt werden. So kann nun im „Live-Video“ des Ultraschallgerätes ohne Strahlungsbelastung für den Patienten und den Arzt, eine permanente und dreidimensionale Darstellung der Nadellage zum Kalk und der übrigen Strukturen erfolgen. Während im Röntgen praktisch nur der Knochen sichtbar ist, können im Ultraschall vor allem die entscheidenden Weichteile dargestellt werden. Der Kalk liegt schließlich in der Sehne oder im Schleimbeutel, welche im Röntgen oder CT (Computertomografie) nicht sichtbar sind.

Der große Vorteil der Methode besteht darin, dass der Kalk als mechanischer Störfaktor und Auslöser von Entzündungen nicht nur zerstoßen wird. In vielen Fällen kann er anschließend direkt aus der Sehne entfernt werden. Durch die ultraschallgesteuerte Kalkentfernung kann eine Operation häufig vermieden werden, die sonst die alternative Möglichkeit bei größeren Kalkherden der Schulter wäre. Der Eingriff des Kalkneedeling wird ambulant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt.

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Kalkschulter vor der Therapie ( Röntgen Dr. S. Henkel)

 

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Kalkschulter nach der Therapie ( Röntgen Dr. S. Henkel)

 

Die ultraschallgestützte Entfernung von Kalkdepots der Schulter ist ein modernes nur in wenigen Kliniken in wenigen Ländern wie den USA, Canada, Italien, der Schweiz und Südkorea etabliertes Verfahren, welches wir seit 2011 erfolgreich in unserer Praxis durchführen. Auch in Deutschland wird diese Technik nur in sehr wenigen Zentren angeboten. Inzwischen blicken wir auf einige hundert erfolgreiche Behandlungen zurück.

Falls Sie sich für die Therapie interessieren, können Sie hier einen Termin vereinbaren.

Wenn die Anreise zu uns besonders weit sein sollte, bieten wir Ihnen an, die Röntgenbilder vorab zu sichten. Dies kann eine persönliche ärztliche Untersuchung nicht ersetzen. Eine Ferndiagnose ist uns nicht möglich und nicht erlaubt. Aber meist lässt sich am Röntgenbild festlegen, ob Ihre Schulter überhaupt für die Therapie in Frage kommt. Falls bei Ihnen eine Kalkschulter festgestellt wurde, senden Sie uns bitte die Bilder mit einem frankierten Rückumschlag zu. Sie erhalten dann kurzfristig Nachricht und die Bilder zurück.

 

Bei Interesse können Sie sich hier ein Videobericht zur Mikroinvasiven ultraschallgesteuerten Therapie der Kalkschulter / „Kalkneedeling ansehen:

WDR Video-Beitrag

Lesen Sie mehr zum Thema Kalkschulter:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20414859

De Zordo, Romagnoli,  2011 in Radiology

„US-guided therapy of calcific tendinopathy: clinical and radiological outcome assessment in shoulder and non-shoulder tendons.“

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21479869

Fusaro, Galetti, 2011 in Muscolosceletal Surgery

„Functional results in calcific tendinitis of the shoulder treated with rehabilitation after ultrasonic-guided approach.”