Sportmedizin umfasst theoretische und praktische Medizin. Sie untersucht den Einfluss von Bewegung, Training und Sport sowie Bewegungsmangel auf den gesunden und kranken Menschen jeder Altersstufe, um die Befunde der Prävention, Therapie und Rehabilitation den Sporttreibenden dienlich zu machen (Prof. Wildor Hollmann, Deutsche Sporthochschule Köln).

Die Sportmedizin hat im wesentlichen 2 Säulen. Die erste Säule befasst sich mit den Erkrankungen durch Sport, die zweite Säule untersucht die Erkrankungen bei Patienten, die unter Sportmangel leiden.

  1. Säule (Erkrankungen durch Sport)

Diese Patienten benötigen den Facharzt für Sportmedizin zur Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen, die beim Sport oder durch den Sport aufgetreten sind. Hierunter fallen Verletzungen wie Brüche( Frakturen), Muskelverletzungen( Muskelbündel-, faser- und fibrillenrisse), Sehnen-, Knorpel- und Gelenkverletzungen. Ein großer Anteil der Sportmedizinpatienten leidet unter Sehnen- und Muskelansatzreizungen, die durch Fehl- oder Überlastungen entstanden sind.

Der Sportmediziner muss zur Diagnosefindung und späterer Therapieempfehlung die sportliche Belastung in der entsprechenden Sportart sehr genau kennen und untersuchen und die Belastbarkeit des einzelnen Patienten prüfen, um im Anschluss eine adäquate Therapie einleiten zu können.

Die Diagnostik in der Sportmedizin umfasst neben laborchemischen Analysen und Herz-Kreislaufuntersuchungen auch die Bewegunsanalysen mit Hilfe von Bewegungssimulatoren ( z.B. das Laufband) der einzelnen Sportarten oder durch Videoaufzeichnungen, die während der Sportausübung aufgenommen wurden.

Die Behandlung reicht neben der Empfehlung zu physiotherapeutischen Maßnahmen von klassisch schulmedizinische Verfahren wie Infusionen, Infiltrationen, Stoßwellentherapie über alternativmedizinische Methoden wie die Neurostimulationen, die Akupunktur , das Kinesio-Taping, die Chirotherapie und die Osteopathie bis zu operativen Verfahren (minimalinvasiv-ambulant oder stationär). Darüber hinaus kann der erfahrene Sportmedizin wertvolle Tipps zur Veränderung des Bewegungsablaufes bei der Sportausübung geben, um so eine erneute Fehl- und Überlastung auf Dauer vermeiden zu können.

2.Säule ( Patienten mit Schwierigkeiten aufgrund Sportmangels)

Diese Patienten benötigen eine fachärztliche Beratung im Sinne einer Präventionsleistung. Dazu gehört zunächst eine orthopädische und internistischen Untersuchung zur Statuserhebung des allgemeinen Gesundheitszustandes. Im Rahmen dieser Untersuchung werden Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und des Skelettapparates diagnostiziert und entsprechend ihrer Schwere bewertet und ggfs. wenn nötig therapiert. Im Anschluss daran kann eine Empfehlung zur sinnvollen, gesundheitsfördernden und für den Patienten risikoarmen sportlichen Tätigkeit erfolgen. Die Empfehlungen sind im wesentlichen von den körperlichen Befunden und Voraussetzungen, der sportlichen Vorerfahrung, der beruflichen Tätigkeit und der damit verbundenen Belastung sowie dem Alter und dem Geschlecht des Patienten abhängig.

Nach der Auswertung dieser sämtlichen Erhebungen wird der Sportmediziner dem Patienten eine Empfehlung für eine geeignete Sportart, deren Intensität und auch deren Durchführung geben und im Verlauf immer wieder kontrollieren und ggfs. korrigieren können. Die Kontrolle und die Korrektur der Durchführung der sportlichen Tätigkeit ist heutzutage mit Hilfe der neuen Medien ( z.B. Handyfilmaufzeichnungen des Sporttreibenden) ohne größere Schwierigkeiten möglich. Auf diese Weise können Fehlbelastungen, und die damit verbundenen Mißerfolge, aufgrund von falscher Durchführung einer Sportart ( z.B. Krafttraining an Geräten) weitestgehend vermieden oder im besten Fall sogar ganz verhindert werden. Durch die sportmedizinsche Präventivberatung kann dem Patienten ein für ihn individuell zusammen gestelltes Training an die Hand gegeben werden, so dass dieser seine Belastbarkeit im Alltag steigern kann und so evtl. Schmerzen am Skelettapparat und Unwohlsein aufgrund von körperlicher Unfitniss auf Dauer der Vergangenheit angehören könnten.